Lieber nicht auf die leichte Schulter nehmen – Wann Sie bei Schulterschmerzen den Arzt aufsuchen sollten

Die Schulter schmerzt – sogar beim Schlafen? Die Schulter macht manchmal ein schnap­pendes Geräusch? Viele Menschen klagen über Schulterprobleme, denn unsere Schulter ist zwar sehr flexibel, doch auch anfällig für Verletzungen. Unser Schultergelenk ist das Gelenk mit den meisten Funktionen in unse­rem Körper: Schlüsselbein, Schulterblatt und Oberarmknochen treffen zusammen. Sie sind von vielen Muskeln, Sehnen und Bändern umgeben. Zusätzlich hält die sogenannte Ro­tatorenmanschette, bestehend aus vier Mus­keln, den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne. Schleimbeutel helfen dabei, die Reibung zwi­schen Muskeln, Sehnen und Knochen zu ver­ringern. Der größte liegt unter dem Schulter­dach, einem Fortsatz des Schulterblatts.

VERENGUNG FÜHRT ZU IMPINGEMENT-SYNDROM

Sehr häufig beginnen Schulterschmerzen als Beschwerden unter dem Schulterdach, wenn der Raum hier verengt ist (sog. Impingement-Syndrom): Beim Anheben des Arms werden Teile der Sehnen sowie der Schleimbeutel eingeklemmt. Die Folge sind Schmerzen und manchmal auch Gelenkgeräusche bei Belastung. Oft sind Verschleiß, kalkhaltige Ablagerungen oder auch Knochenwucherungen – manchmal aufgrund anatomischer Abweichungen - die Ursache. Auch kann der Schleimbeutel sich entzünden. Bestimmte berufsbedingte Über-Kopf-Bewegungen oder Sportarten können ein Risiko darstellen. Die konservative Therapie besteht hier aus Physiotherapie in Kombination mit kortisonhaltigen Medikamenten und entzündungshemmenden Schmerzmitteln.

"FROZEN SHOULDER" ENTWICKELT SICH LANGSAM

Eine weitere Schultererkrankung ist die sogenannte "Frozen Shoulder", eine Schultersteife, die in drei Phasen verläuft: Nach mäßigen dumpfen Schmerzen kommt es nach Monaten zu einer Verstärkung, die auch nachts und in Ruhe auftreten. Danach lassen die Schmerzen wieder nach, aber die Beweglichkeit der Schulter ist stark eingeschränkt: Bewegungen nach oben oder hinten werden immer schwerer. Das Anziehen oder Autofahren ist kaum noch möglich und es kann bis zur völligen Unbeweglichkeit des Gelenks gehen. Diese Erkrankung heilt meist selbst wieder ab – allerdings sehr langsam über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Die Ursache ist eine Verklebung der Gelenkkapsel im Schulterhauptgelenk. Häufig tritt die Schultersteife auch nach Unfällen, einer OP, Impfungen oder bei Kalkablagerungen auf. Die Behandlung beinhaltet ebenfalls eine medikamentöse Schmerzlinderung. Zusätzlich beginnt man nach anfänglich leichten Dehn- und Bewegungsübungen in der dritten Erkrankungsphase mit intensiveren Schulterübungen. In der Regel wird eine Operation nur in Erwägung gezogen, wenn sich die Beschwerden nach sechs bis neun Monaten nicht bessern.

KRAFTTRAINING KANN BEI SCHULTERARTHROSE HELFEN

Bei einer Schulterarthrose kommt es zum fortschreitenden Verlust von Knorpelgewebe an Oberarmkopf und Gelenkpfanne. Durch die Abnutzung reiben Oberarmknochen und Schulterblattpfanne immer stärker aufeinander. Das Gelenk verändert sich und knöcherne Ablagerungen bilden sich an den Rändern. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sowie Entzündungen des Gewebes sind die Folge. Typisch sind stärkere Beschwerden am Morgen sowie knirschende Geräusche bei Schulterbewegungen über dem Kopf oder nach vorne. Auch hier besteht die Therapie aus Schmerzlinderung, zudem Wärme- oder Kältebehandlung und eventuell weiterer Behandlung, z. B. mit Hyaluronsäure. Auch die frühzeitige Physiotherapie mit Kraftaufbau und Bewegungsverbesserung sind Mittel der Wahl. Wenn die Beschwerden nicht besser werden, kommt eine Operation in Betracht. Hierbei können störende Gelenkteile oder Anlagerungen entfernt werden oder in schweren Fällen die Schulter durch ein künstliches Schultergelenk ersetzt werden.

SCHULTERLUXATION IST EIN NOTFALL

Ein Notfall ist die sogenannten Schulterluxation (Ausrenkung der Schulter): Hier springt bei einer Überlastung der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne – oftmals aufgrund eines Unfalls, großer Krafteinwirkung oder Überdehnung im Rahmen bestimmter Sportarten. Das Gelenk sollte möglichst innerhalb von 30 Minuten wieder eingerenkt werden. Danach folgt eine Ruhephase mit anschließender Physiotherapie. Manchmal muss operiert werden. Generell gilt: Gehen Sie nicht nur bei akuten, sondern auch bei fortschreitend stärker werdenden Schulterschmerzen zum Arzt, damit entsprechend der Diagnose eine Behandlung eingeleitet werden kann.

WANN BEI SCHULTERBESCHWERDEN ZUM ARZT? WENN ...

Lassen Sie sich am besten von einem Physiotherapeuten oder in Ihrem Fitnesscenter zu empfehlenswerten Schulterübungen beraten.