Inkontinenz wirksam bekämpfen

Fragen zur Hilfsmittelversorgung:

Alle Fragen zur Erstattung der Hilfsmittelversorgung bei Inkontinenz beantworten wir Ihnen gerne, umfassend und diskret. Sprechen Sie uns an.

Viele Betroffene leiden still – denn Inkontinenz ist ein Tabuthema, über das niemand gerne spricht! Dabei trifft gerade Harninkontinenz schätzungsweise bis zu 50 Prozent der Bevölkerung. Betroffene quälen sich oft jahrelang und scheuen sich, Rat und Hilfe zu suchen. Doch Abhilfe ist in den meisten Fällen möglich. Neben konservativen Methoden kann in schweren Fällen auch eine OP in Frage kommen. Die erste Anlaufstelle für einfühlsame Beratung ist die Apotheke beziehungsweise der Arzt, z. B. Urologe. Ob Dranginkontinenz, Stressinkontinenz, unbewusster oder kontinuierlicher Harnverlust, ob nach einer Prostata-OP oder bei Frauen nach der Schwangerschaft oder Menopause, allen gemeinsam ist das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber ungewolltem Urinabgang. Wie bei Stuhlinkontinenz unterscheidet man auch bei Harninkontinenz verschiedene Schweregrade.

Muskeln und Nerven sorgen für kontrollierten Urinabgang

Unsere Nieren produzieren fortlaufend Urin, der in die dehnbare Harnblase abgegeben und dort gesammelt wird. Bei circa 200 bis 600 Milliliter Füllung meldet sie Harndrang, doch sie kann sogar bis zu einem Liter Urin sammeln. Zahlreiche Muskeln sorgen dafür, dass der Urin erst zu einem bestimmten Zeitpunkt abgelassen wird. Die Blasenwand selbst ist mit einer glatten Muskulatur versehen. Der sogenannte innere Schließmuskel verschließt den Beginn der Harnröhre im entspannten Zustand. Der äußere Schließmuskel, der aus der Muskulatur des Beckenbodens besteht, liegt am Ende der Harnröhre. Verschiedene Nerven, die die Muskeln von Harnblasenwand und Schließmuskeln steuern, sorgen für den kontrollierbaren Abgang von Urin.

Verschiedene Schweregrade sind kennzeichnend

Bei einer Harninkontinenz können verschiedene Symptome auftreten: Schwallartiger Urinabgang oder Harnträufeln, nur in bestimmten Situationen oder ständig. Bei einer sogenannten Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) kommt es bei Anstrengung (z. B. Sport mit stoßweisen Bewegungen oder schwerem Tragen) oder beim Husten oder Niesen zu einem unwillkürlichen Harnabgang. Auch Harnwegsinfektionen können Inkontinenz auslösen - oder umgekehrt. Man unterscheidet bei Harninkontinenz zwischen Schweregrad 1: Harnträufeln bei plötzlichem starkem Druck im Bauchraum, z. B. beim Husten, Schweregrad 2: Harnabgang bei leichter körperlicher Betätigung wie Treppensteigen, und Schweregrad 3: Ungewollter Harnverlust beim Liegen oder in Ruhe.

Bei Frauen ist meist die Beckenbodenmuskulatur geschwächt

Bei Frauen können generell Geburten zu einer Überdehnung der Beckenbodenmuskulatur führen. Die Gebärmutter liegt dann auf der Scheide und zieht die Harnblase nach unten. Die Bauchorgane drücken ständig auf die Harnblase, was die Inkontinenz bewirkt. Auch ein Östrogenmangel nach der Menopause kann bei Frauen zu ungewolltem Urinabgang führen. Bei Männern können unter anderem Prostatavergrößerung oder andere Prostataleiden Auslöser für Inkontinenz sein.

Beckenbodentraining sowohl bei Harn- wie Stuhlinkontinenz sinnvoll

Abhilfe bei Harninkontinenz kann zunächst ein Trink- und Miktionstagebuch (vgl. Miktion: Harn-lassen) sein. Es ist aber keine Lösung, die Trinkmenge einzuschränken, im Gegenteil: Wenn nicht anders vorgeschrieben, sollten täglich zwei Liter Flüssigkeit aufgenommen werden, um Harnwegsinfektionen zu vermeiden. Bei bestimmten Formen von Inkontinenz wird ein Blasentraining empfohlen, das die Abstände des Toilettengangs hinauszögert. Ist hingegen der Beckenboden geschwächt, profitieren Harn- und Stuhlinkontinente von Beckenbodentraining. Auch Elektrostimulation kann helfen. Gewichtsreduktion und das Vermeiden sitzender und inaktiver Lebensweise unterstützen den Beckenboden ebenfalls.

Auch Arzneimittel – schulmedizinisch wie pflanzlich – sind oft wirksam

Es stehen verschiedene Therapeutika gegen Harn- und Stuhlinkontinenz zur Verfügung. Frauen wird z. B. nach der Menopause empfohlen, lokale Östrogenpräparate wie Salben oder Zäpfchen zu verwenden, um die hormonell bedingte Rückbildung von Harn- und Geschlechtsorganen zu verhindern.

Auch mechanische Hilfen gegen Harninkontinenz wie Pessare zum Einführen in die Scheide und Stabilisieren der Gebärmutter sind eine Therapiemöglichkeit. Ebenso können pflanzliche Arzneimittel Unterstützung bieten. Gibt es nach einer ärztlichen Diagnose wirklich keine Abhilfe, stehen in der Apotheke spezielle Einlagen, Pants etc. zur Verfügung, die passend gekauft werden sollen, um eine gute Dichtigkeit zu gewährleisten. Sie werden als Hilfsmittel von der Krankenkasse erstattet.

Wie entsorge ich Inkontinenzprodukte richtig?

Betroffene wünschen sich eine unauffällige Entsorgung von Inkontinenzprodukten. In Toiletten dürfen sie nicht entsorgt werden, da sie im Wasser aufquellen und die Rohre verstopfen. Frauen können in Damentoiletten Hygienebehälter zum Wegwerfen benutzen. Andernfalls gibt man Einlagen und Windelhosen am besten in eine undurchsichtige Plastiktüte und trägt sie zum nächsten Mülleimer. Zuhause kann man sie ebenso in den Hausmüll entsorgen. Tipp: In einigen Städten kann man bei Vorlage eines ärztlichen Attests Vergünstigungen bei den Müllgebühren erhalten.

Nicht auf Sport verzichten!

Wichtig: Bei Inkontinenz sollte man keinesfalls auf Sport verzichten. Empfehlenswert sind Sportarten wie Schwimmen, Walken oder Yoga. Sportarten, bei denen das Körpergewicht stoßweise auf den Beckenboden stößt (z. B. Joggen), kann man vermeiden.


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